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Die Schweiz hat nicht nur einen rührigen Finanzplatz, über die Schweiz läuft auch ein grosser Teil des weltweiten Handels mit Rohstoffen. Das war bis vor kurzem wenig bekannt. Mit der geplanten Fusion zweier Rohstoff-Riesen mit Sitz im Kanton Zug hat sich dies gründlich geändert. Man schaut plötzlich hin und staunt. Tickt hier in der beschaulichen Schweiz nach den Problemen mit dem Finanzplatz eine zweite Zeitbombe?
«Glencore» ist der weltweit grösste Rohstoffhändler. Das umsatzmässig zweitgrösste Unternehmen der Schweiz hat seinen Sitz in Baar. Die geplante Wiedervereinigung mit dem Bergbau-Riesen Xstrata würde die neue «Glenstrata» zum viertgrössten Bergbaukonzern der Welt machen – mit einer nun lückenlosen Wertschöpfungskette: Vom Erschliessen des Rohstoffes, über seine Förderung, Verarbeitung und den Transport bis hin zum Verkauf.Vorerst existiert die Fusion aber erst in den Köpfen der beiden Firmenbosse. Zur Glencore-Spitze gehören zwölf Mitglieder. Mit dem Börsengang am 19. Mai 2011 wurden sie auf einen Schlag zu mehrfachen Milliardären und Millionären. Glencore-Chef Ivan Glasenberg belegt zurzeit mit 6 bis 7 Milliarden Vermögen Platz 8 auf der Liste der reichsten Schweizer. Die Firmengruppe ist tätig in der Produktion, Verarbeitung und im Handel von Aluminium, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle und Öl, aber auch von Agrarprodukten wie Getreide, Reis, Zucker und Biodiesel.
2008 wurde der Firma auf einem Nebenschauplatz des World Economic Forums (WEF) in Davos der wenig schmeichelhafte «Public Eye Swiss Award» übergeben. Der Sündenkatalog ist lang: Die Firma soll in kolumbianischen Kohlebergwerken «skrupellos» gegen Gewerkschaftsmitglieder vorgegangen sein, gleichzeitig haben die Auswirkungen der Bergwerke Bevölkerung und Umwelt massiv geschädigt. Auch im Kongo seien Raubbau und Ausbeutung der Bergarbeiter an der Tagesordnung. Ganz nach dem Motto: Der Schaden vor Ort, der Nutzen weit fort – in der «sauberen» Schweiz. Mit einer allfälligen Fusion dürfte sich die Problematik weiter zuspitzen.
Die Frage sei erlaubt: Wem gehören eigentlich diese Bodenschätze? Vorerst einmal Gott, dem Schöpfer der Erde. In einem zweiten Schritt der Bevölkerung vor Ort. Und schliesslich auch den Firmen, die diese Schätze heben und daraus Geld machen.
Im Bewusstsein dieser Zusammenhänge müsste das erwirtschaftete Geld für den Schutz der Schöpfung und zur nachhaltigen Entwicklung vor Ort eingesetzt werden. Wenn dann noch ein angemessener Beitrag für die Verwaltung der Firma in der Schweiz abfallen würde, wäre dagegen nichts einzuwenden. Die Realität sieht anders aus: Die Brosamen fallen für die Umwelt und die Arbeiter vor Ort ab, während am Tisch der Reichen kräftig zugelangt wird.
Warum eigentlich mischt die Schweiz in diesen Bereichen immer ganz vorne mit? Dieses Muster der Bereicherung auf Kosten der andern hat Tradition. Es zeigt sich auch im Horten von Schwarzgeld. Und es lässt sich bis zum Zweiten Weltkrieg zurückverfolgen.
Schon damals war es selbstverständlich, dass unter dem Deckmantel der Neutralität mit allen Seiten Handel getrieben und so bedenkenlos Geld gemacht wurde. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass die Sünde der Ausbeutung Anderer auch im Fall der Rohstoff-Deals früher oder später über die Schweiz hereinbrechen werden. In der Schweiz wären wir gut beraten, beim Setzen der Rahmenbedingungen nicht nur auf das Geld aus Steuern zu schielen, sondern auch die globale Ethik in den Blick zu nehmen.
Der Autor Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST.
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