Hildebrands Rücktritt

Die Sehnsucht nach sauberer Amtsführung

Wulff – Zuppiger – Guttenberg – Hildebrand ... Weshalb wird die Diskussion rund um das Thema «sauberes und korrektes Verhalten» von Amtsträgern immer heisser? Dazu ein Beitrag von Chrischona-Direktor Markus Müller.

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Philipp Hildebrand
Natürlich gibt es auf diese Frage unterschiedlichste Meinungen. Sicher ist das Machtgebaren aggressiver geworden. Sicher ist das Streben gewachsen, dem politischen Gegner Schlechtes zu unterschieben und ihn zu schwächen. Sicher herrscht ein unerbittlicher Medienkampf, wer die krassesten Anschuldigungen am attraktivsten vermitteln kann. Etwas tiefer geht die Vermutung, dass es so etwas wie eine Ursehnsucht des Menschen gibt, dass öffentlich korrekt gedacht und gehandelt wird. Der Mensch scheint zu spüren, dass es um die Zukunft unserer Gesellschaft schlecht bestellt ist, wenn im öffentlichen Raum die Moral löchrig wird. Wir sollten diese Sehnsucht des Menschen ernst nehmen.

Was geht das die Christen an?

Es gibt eine glaubhafte These, die belegt, dass alles, was im Grossen und Globalen vorkommt, in Ansätzen immer auch unter uns Christen im überschaubaren Rahmen wirksam ist. Wenn beispielsweise die Finanzen von Staaten aus dem Ruder laufen, ist es nicht erstaunlich, wenn christliche Gemeinden und Werke über mangelnde Finanzen klagen. Analoges gilt in praktisch allen Lebensbereichen. Nicht zuletzt gilt dieses Prinzip auch im Bereich der Einschätzung und Beurteilung von Personen in Verantwortung. Zum Beispiel: Wie wird über die Menschen in Gemeindeleitungen geredet und geurteilt? Wie deuten wir Verhalten von hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, insbesondere von Predigern? Wie gut oder schlecht haben wir gelernt, mit Menschen umzugehen, die Fehler begangen haben und dazu auch stehen, vielleicht sogar um Verzeihung bitten? Wirft man einen Blick in christliche Kreise, ist durchaus ein Bedarf vorhanden, von- und miteinander zu lernen. Wenn christliche Gemeinschaften Orte der Hoffnung sind, dann muss auch gut mit Fehlern umgegangen werden. Dazu gehört nicht zuletzt der mündige persönliche und gemeinschaftliche Umgang mit eingestandenen und noch nicht eingestandenen Fehlern. Unsere Gesellschaft braucht Anschauungsmaterial, wie so etwas geht. Christen haben die besten Voraussetzungen dazu.

Zum Thema:
Blog der Pilgermission St. Chrischona
Hildebrands Rücktritt war konsequent
Hildebrands Fall

Datum: 12.01.2012
Autor: Markus Müller
Quelle: Livenet