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Den Ausgangspunkt bildeten dabei die vier Kriterien, welche Hartmut Zinser, Professor an der Freien Universität Berlin, in seinem 1997 erschienenen Buch "Markt der Religionen" aufgestellt hatte: Zunächst geht es um die Frage, ob die Beteiligten - hier in unserem Fall die Fans im Stadion - selbst bezeugen, dass Fussball für sie Religion ist. Andreas Dieckow, der für die Untersuchungen auch seine Religionsklassen einspannte, fand dieses Kriterium erfüllt, wenn er auf die Schlachtrufe und die Gesänge hörte. "Mir Fäns sin immer für di do, egal du bisch, egal was du tuesch, egal was du saisch …" heisst es in einem Lied. Andere rufen: "Oli Kreutzer, Fussball-Gott!". Viele Fussballhymnen, unter anderem jene von Liverpool, sind gespickt mit religiösem Wortschatz, nicht weit entfernt von Kirchenliedern. Als Zweites war zu klären, ob Aussenstehende das Verhalten der Fussballfans ebenfalls als religiös betrachteten. Auch dies liess sich belegen. Denn Fussball besetzt heute emotionale und soziale Orte in der Gesellschaft, die traditionell dem Religiösen zugeschrieben werden.
Spannend zu klären war nun das dritte Kriterium nach Zinser: Gibt es einen Zusammenhang mit der in der Gegend verankerten religiösen Tradition? Dieckow verglich die Vorgänge im Stadion mit der Messe in der römisch-katholischen Kirche und stellte verblüffende Parallelen fest: Man trifft sich mit anderen "Gläubigen" und feiert mit ihnen nach einer festen Liturgie. Der Stadionspeaker übernimmt dabei eine leitende Rolle. Gesang und Anfeuern der Mannschaft entsprechen einer Art Gebet. Das Amen entspricht dem Schlusspfiff, und das Hochheben des Pokals lässt sich vielleicht mit dem Heben des Eucharistiebechers vergleichen. Im vierten Punkt hatte die Untersuchung noch zu klären, ob zwischen heilig und profan unterschieden werde. "Ja", sagt Dieckow. Das Stadion selbst weist Elemente eines Tempels auf: Die Zuschauerränge sind das Profane, während das Spielfeld der heilige Bezirk ist, der von den Fans respektiert wird. "Das Allerheiligste ist vielleicht die Spielerkabine."
Fazit: Fussball ist für viele Fans Religion - "nach dieser Definition", fügt Andreas Dieckow an. Natürlich könne der Fussball momentan Sinn im Leben geben. Die Schüler in Münchenstein hätten in Anbetracht der Karriere der Yakin-Brüder Hoffnung geschöpft. Aber letztlich sei diese Religion sehr oberflächlich, sagt Dieckow. Ihr fehle die Transzendenz, das Übernatürliche: Gott. Der Fussball-Gott antwortet nicht. Er ist ein stummer Götze, der den Menschen das Leben vorübergehend mit Lebensinhalt füllt. Dieckow sieht in der religiösen Dimension des Fussballs zwar eine Konkurrenz für die Kirche, aber vor allem eine Herausforderung, jungen Menschen die Inhalte aus dem christlichen Glauben gut zu vermitteln und damit eine Alternative zum Fussball-Gott zu bieten.
