Unsichere Menschen eher abergläubisch

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Eine gewöhnliche Wolke - oder vielleicht ein Gesicht?
Ein von Kontrollverlust geplagtes Hirn sieht Zusammenhänge, wo keine sind, hatte eine US-Studie herausgefunden. Der irrationale Glaube an gute oder schlechte Vorzeichen ist heute noch viel weiter verbreitet als in den 70iger Jahren. Trotz der voranschreitenden Technisierung der derzeitigen Wissensgesellschaft hat der Aberglaube seine Kraft nicht verloren.

Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein? Hatten Sie sich vielleicht verlaufen oder gar ihre Arbeitsstelle verloren? Versuchen Sie einmal, sich an diese Situation zurückzuerinnern und blicken Sie dabei auf einen unregelmässig strukturierten Gegenstand, etwa eine Wolke oder ein Stück Raufasertapete.

Sehen Sie ein Muster? Jennifer Whitson von der University of Texas in Austin und Adam Galinsky von der Northwestern University in Chicago stellten zahlreiche Versuchspersonen vor eine ähnliche Aufgabe, berichtet Spektrum der Wissenschaft.

Alles unter Kontrolle?

Als "trügerische Mustererkennung", definierten die Forscher dabei eine Reihe von zufälligen oder unzusammenhängenden Ereignisse. Ihre These: "Wenn Individuen nicht in der Lage sind, ein sachlich begründetes Gefühl der Kontrolle über ihre Situation zu erlangen, versuchen sie dieses Gefühl auf der Ebene ihrer Wahrnehmung herzustellen."

Muster die nicht existieren

Whitson erklärte das wie folgt: "Das Gefühl, die eigene Situation kontrollieren zu können, ist von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden. Wir denken klarer und fällen bessere Entscheidungen, wenn wir uns der Situation gewachsen fühlen. Kontrollverlust scheuen wir dagegen und suchen in einem solchen Fall instinktiv nach Mustern und Zusammenhängen, die uns Sicherheit geben sollen. Häufig sehen wir dabei aber auch Muster, die gar nicht existieren."

Den Probanden führte man 24 schwarzweisse Fleckenbilder vor, von denen manche versteckte Formen wie Pferde oder einen Stuhl enthielten, während die übrigen aus rein zufälligen Punktmustern bestanden. Die versteckten Formen erkannten fast alle Teilnehmer, interessant war jedoch, dass die Kontrollverlust-Gruppe auch in eigentlich inhaltslosen Bildern häufig Muster erkannte. Aus einem solchen „Erkennen" kann jemand - ganz für sich allein - ein eigenes, abergläubisches Ritual entwickeln.

Im Alltag benutzen viele Menschen ganz selbstverständlich abergläubische Redensarten, Handlungen und Rituale. Je weiter die Naturwissenschaft in die Geheimnisse des Lebens eindringt, desto weiter sollte der Aberglaube zurückgedrängt werden - möchte man meinen. Doch warum klopft man zur Sicherheit auf Holz, wenn man über ein wichtiges Vorhaben spricht? Weshalb denkt man beim Anblick von schwarzer Katze und Schornsteinfeger spontan daran, was das bedeuten mag? Wer hat noch nie das „toi, toi, toi" oder „Hals- und Beinbruch" gehört? Zusammenhänge, die es eigentlich gar nicht gibt.


Quelle: Spektrum der Wissenschaft / Scientific American / Livenet

Datum: 10.03.2010

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