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Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein? Hatten Sie sich vielleicht verlaufen oder gar ihre Arbeitsstelle verloren? Versuchen Sie einmal, sich an diese Situation zurückzuerinnern und blicken Sie dabei auf einen unregelmässig strukturierten Gegenstand, etwa eine Wolke oder ein Stück Raufasertapete.
Sehen Sie ein Muster? Jennifer Whitson von der University of Texas in Austin und Adam Galinsky von der Northwestern University in Chicago stellten zahlreiche Versuchspersonen vor eine ähnliche Aufgabe, berichtet Spektrum der Wissenschaft.
Den Probanden führte man 24 schwarzweisse Fleckenbilder vor, von denen manche versteckte Formen wie Pferde oder einen Stuhl enthielten, während die übrigen aus rein zufälligen Punktmustern bestanden. Die versteckten Formen erkannten fast alle Teilnehmer, interessant war jedoch, dass die Kontrollverlust-Gruppe auch in eigentlich inhaltslosen Bildern häufig Muster erkannte. Aus einem solchen „Erkennen" kann jemand - ganz für sich allein - ein eigenes, abergläubisches Ritual entwickeln.
Im Alltag benutzen viele Menschen ganz selbstverständlich abergläubische Redensarten, Handlungen und Rituale. Je weiter die Naturwissenschaft in die Geheimnisse des Lebens eindringt, desto weiter sollte der Aberglaube zurückgedrängt werden - möchte man meinen. Doch warum klopft man zur Sicherheit auf Holz, wenn man über ein wichtiges Vorhaben spricht? Weshalb denkt man beim Anblick von schwarzer Katze und Schornsteinfeger spontan daran, was das bedeuten mag? Wer hat noch nie das „toi, toi, toi" oder „Hals- und Beinbruch" gehört? Zusammenhänge, die es eigentlich gar nicht gibt.
Quelle: Spektrum der Wissenschaft / Scientific American / Livenet
