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Auch wenn eine Kritik massvoll einfliesst und man es dem andern abspürt, dass er einem ja nur helfen will, selbst dann wird sie nur selten begrüsst und wohlwollend aufgenommen. Man empfindet sie zumeist als eine Störung und schiesst zurück, um die Sache nicht einfach auf sich sitzen zu lassen. Warum ist das so?
Im Zeitalter ausgefeilter Technik erscheint der Mensch als eine Schwachstelle, die man nur schwerlich akzeptieren möchte. Sie erinnert an die Grenzen des Machbaren. Kritik kratzt am perfektionistischen Selbstbild. Sie widerspruchslos anzunehmen gilt dann vielen als Zeichen von Schwäche.
Hinzu kommen Haltungen in uns selber, die es uns schwer machen, Kritik auf uns wirken zu lassen.
- Oft landet Kritik an unserem Tun eine Etage zu tief: Der Kritiker spricht Fehler an. Wir aber hören: „Du hast versagt, du bist ein Verlierer."
- Nicht selten lehnen wir unsererseits den ab, der kritisiert, statt uns mit seinen Anfragen und Hinweisen sachlich auseinanderzusetzen.
- Unsere eigene Einschätzung dessen, was wir gut und was wir weniger gut können, ist vielleicht noch mangelhaft und wir hängen noch dem Ideal nach, alles zu können und zu schaffen.
- Wir denken, wenn wir Fehler einräumen, sei das der Anfang vom Ende - von unserem eigenen Ende.
- Uns fehlt es oft schlicht und ergreifend an Demut. Wir empfinden Kritik als eine Zumutung, die unseren Stolz verletzt. Vielleicht denken wir sogar, dass dem anderen diese Kritik nicht zusteht.
