Wer ist schuld?

Eine schwierige Frage und eine Antwort, die Taten folgen lässt

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Menschen suchen immer Erklärungen, Gründe, Hintergründe… auch für Krankheiten, Tragödien und Leid. Doch was, wenn es sich einfach nicht erklären lässt? Jesus selbst hat sich dazu geäussert.

Jede Art von Leiden ist nicht einfach zu ertragen – noch viel schlimmer, wenn die Leute sagen, dass man selbst schuld dran ist. So geschah – und geschieht es auch heute noch – mit Menschen, die HIV-infiziert sind. Nach jedem Erdbeben oder jeder anderen Naturkatastrophe gibt es Nachrichten bei Twitter darüber, dass Gott die Menschen für ihre Sünden bestraft. Jeden Tag werden aus dem gleichen Grund Menschen mit Behinderungen stigmatisiert und als weniger wert erachtet.

Dies macht den tiefverwurzelten menschlichen Gerechtigkeitssinn deutlich. Die Vorstellung, dass Tragödien und Leid willkürlich Menschen treffen, ist uns zuwider. Egal, ob wir an Gott glauben oder nicht, passt dies einfach nicht in unsere Idee, wie diese Welt funktionieren sollte.

«Wer ist schuld?»

Und genau das beschäftigte auch schon die Menschen zu der Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern durch die Strassen Israels ging. Da sah er unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Sofort ging es seinen Jüngern durch den Kopf: «Da muss wohl etwas in der Familie falsch gelaufen sein.» Neugierig fragten sie ihren Meister Jesus: «Wie kommt es, dass dieser Mann blind geboren wurde? Wer hat gesündigt – er selbst oder seine Eltern?» (Johannesevangelium, Kapitel 9, Vers 2) Dass jemand an Blindheit leiden musste, ohne selber die Schuld daran zu tragen, war für sie unverständlich.

Nicht Theologie, sondern Taten

Doch die Antwort von Jesus war ganz klar: «'Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern', erwiderte Jesus. 'An ihm soll sichtbar werden, was Gott zu tun vermag.'» (Johannes, Kapitel 9, Vers 3)

Jesus nimmt ihre Aufmerksamkeit von der Erklärung weg, hin zur Tat: Wenn dies so passiert ist, wie kann dadurch sichtbar werden, was Gott tun kann? Es geht Jesus nicht darum, zu sagen, dass Gott den Mann absichtlich blind gemacht hat, um sich durch das Wunder selbst die Ehre zu geben, so wie ein Klempner, der ein Loch ins Rohr haut und erwartet, dass der Kunde ihm dankbar ist, wenn er es wieder repariert. Nein, Jesus will zeigen, dass es hier nicht um Theologie geht, sondern darum, was er tun wird. Es geht darum, die Welt zu verändern. Und darauf lenkt er die Aufmerksamkeit der Jünger.

«Eins weiss ich…»

Und dann spuckt Jesus in den Sand, macht einen Brei daraus und schmiert diesen auf die Augen des Blinden. Danach soll der Mann sich in einem bestimmten Teich das Gesicht waschen. Genau das tut er – und kann mit einem Mal wieder sehen. Ich kann mir seine Freude vorstellen, als er plötzlich alles sehen kann, was er bisher nur durch Geräusche zuordnen konnte. Und so antwortet er auch den religiösen Anführern, die sich daran stören, dass Jesus ihn am Sabbat geheilt hat, nur fast schnippisch: «Ob er ein Sünder ist, weiss ich nicht. Aber eins weiss ich: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen.» (Vers 25)

Letztlich geht es nicht um die Erklärung einer Tragödie, einer Krankheit. Es geht darum, wie wir darauf reagieren. Wenn Menschen in unserem Umfeld betroffen sind, können wir überlegen, was wir tun können, um die Situation der Person zu verändern, zu verbessern. Wenn wir selbst davon betroffen sind, kann uns diese Geschichte dazu ermutigen, uns so anzunehmen, wie wir sind, mit allem, was das beinhaltet – und darauf zu vertrauen, dass Jesus in unserem Leben handeln kann und will, wie er es für richtig hält.

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Datum: 08.02.2018
Autor: Rebekka Schmidt / Mark Woods
Quelle: Livenet / Christian Today

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