«ABC»s Elizabeth Vargas

«Den grössten Teil meines Lebens versteckte ich mich»

Jahrelang litt Elizabeth Vargas, Ansagerin beim «ABC»-Format «20/20» heimlich. Sie litt unter Panikattacken, die sie im Versteckten im Alkohol ertränkte. Gebet half ihr schliesslich, mit ihrem Leiden umzugehen und inzwischen auch anderen bei der Wiederherstellung zu helfen.

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Elizabeth Vargas
«Es kommt wie eine Welle. Mein Herz schlägt schneller, mein Kopf wird schwer, mir wird übel und Angst bricht über mich herein.» Es könne mitten im Berufsalltag geschehen oder daheim mit den Kindern, beschreibt Elizabeth Vargas. Dann habe sie nach einer Flasche Wein gegriffen. «Heute kenne ich etwas viel Besseres. Etwas, das hilft zu leben, nicht zu sterben: die kraftvolle Waffe des täglichen Gebets.»

Sie sei mit diesen Angstzuständen geboren. Der Alkohol kam später dazu. «Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, mein Vater diente in der Armee.» Als ihr Vater in Vietnam eingesetzt wurde, lebte Elizabeth mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder Chris in Japan.

Jeden Morgen in Panik

«Meine Mutter war schanger mit meiner kleinen Schwester. Um auf der Insel bleiben zu können, musste sie täglich arbeiten gehen. Wir blieben daheim mit einem Babysitter. Täglich geriet ich in Panik und bettelte Mutter an, nicht zu gehen und hielt mich an ihren Beinen fest.»

Mit sechs hatte sie «gelernt», dass sie sich für die Angst schämen muss. Sie versuchte es nun um jeden Preis zu verbergen. «Mit kam nicht in den Sinn, dass ich beten könnte. Ich lernte, die Attacken im Stillen zu bekämpfen und meine Gefühle zu begraben.»

Immer wieder wurde ihr Vater verlegt; das bedeutete auch für die Familie, stets umzuziehen. «Ich besuchte acht verschiedene Schulen.»

«Viel Druck auf sich selbst»

Ein Mal wurde Elizabeth bei einem früheren TV-Sender mitten in einer Moderation von der Panik übermannt und konnte nicht mehr weiterlesen – ihr Co-Sprecher las ihren Part vom Teleprompter ab. «Tausende sahen mein wahres Ich.» Sie entdeckte, dass sie mit Beta-Blockern ruhiger wurde. Und bald behalf sie sich mit einem Glas Wein.

«Ich lud grossen Druck auf mich selbst.» Und je erfolgreicher sie wurde, desto mehr habe sie zu verbergen gehabt. «Und je mehr schnitt ich mich von den anderen Menschen und von Gott ab.» Zwar habe sie manchmal in einem stressigen Tag oder während einer Panikattacke gebetet. «Aber es war nicht eine echte Beziehung zu Gott.»

«Welche Alkoholikerin könnte das schaffen?»

Der Job bei «20/20» brachte nicht nur lange Arbeitsstunden, sondern auch viele Reisen. «Mehr Stunden im Flieger, gefangen in eine Röhre in 10'000 Metern Höhe – das war Grund genug für Angst.» Bei einem Flug geriet sie ins Schwitzen und Hyperventilieren. Danach besuchte sie einen Arzt, der ihre Panikschübe bestätigte und ein Medikament verschriebt.

Aber für immer verbergen sei nicht möglich. Ihr Mann konfrontierte sie damit, dass sie zu viel trank. Bisher hatte sie gedacht, dass niemand merkt, wie viel sie trinkt. Das machte sie wütend. «Ich war eine Emmy-gekrönte TV-Produzentin die Abend für Abend am Bildschirm zu sehen war. Welche Alkoholikerin könnte das schaffen?»

«Nichts Lebensbedrohliches…»

Damit ihr Mann sie weniger trinken sah, stoppte sie manchmal unterwegs in einer Bar und tat so, als würde sie auf jemanden warten. «Kein Problem, ich sitze hier, nimm dir ruhig Zeit», gaukelte sie ein Handy-Gespräch vor.

Aus dem Ruder lief das Ganze in den Familienferien. Die meiste Zeit lag sie im Bett, um den Kater auszuschlafen, der nach dem Stürmen der Minibar jeweils blieb. Doch «die Scham war unbeschreiblich.»

Hinterher ging sie in eine Reha. Das 28-Tage-Programm zu durchlaufen, hätte aber bedeutet, dies den Chefs sagen zu müssen. Und so durchlief sie einfach einen Teil davon und erklärte ihren Vorgesetzten, «dass ich eine OP machen müsse, nichts Lebensbedrohliches…»

Der Rückfall

Während der Reha fand sie gütige Menschen, die ihr halfen, eine Beziehung zu Gott zu finden. «Nicht, dass ich bereit gewesen wäre, mein Leben und meinen Willen einer höheren Kraft zu unterstellen.»

Zwei Monate später trank sie wieder. Diesmal ging sie zurück in die Reha. «Es gab so vieles, woran ich arbeiten musste – den grössten Teil meines Lebens hatte ich versteckt gelebt.»

Gegen Ende des Programms gestand sie, dass sie Angst hat, ins normale Leben zurückzugehen. Umgeben von Stress und Versuchung. Sie weinte, was sie sich früher kaum erlaubt hätte.

«Gebet, das Werkzeug, das ich mitnahm»

Sie wurde von den anderen Teilnehmern ermutigt, insbesondere zum Gebet. «Das Gebet war das Werkzeug, das ich mitnahm. Beten, wenn der Stress zuschlägt. Beten, wenn der Wein lockt.»

Doch dann erschien sie seltener zu den Treffen. «Ich fürchtete, dass die Angst mich töten würde.» Sie hörte auf zu beten und nahm zum ersten Mal wieder einen Drink. Die Isolation wuchs erneut – und der Alkoholkonsum ebenso. Bei einer Sendung fiel sie buchstäblich auseinander. «Nun wusste jeder Bescheid.»

«Es tut mir so leid»

Sie gestand ihre Sucht und die Angstkrankheit in einem öffentlichen Statement ein. Die dritte Reha folgte. Auch mit der Familie wurde über ihre Kindheit gesprochen, über die Zeit in Japan. Die Armee half damals Familien mit solchen Umständen nicht. «Ich fühlte mich so hilflos», sagte ihre Mutter und hielt ihre Hand. «Es tut mir so leid.»

«Diese Worte bedeuteten mir alles. Ein enormes Gewicht wurde mir abgenommen.» Von dem Moment an habe sie wieder mit Gott und anderen Menschen sprechen können. «Ich entdeckte, dass das Gebet die kraftvollste Waffe ist. Nicht nur in den Momenten mit den Angstzuständen, sondern immer.» Heute habe sie eine richtige Beziehung zu Gott. «Jeden Moment, jeden Tag. Jeden Tag mache ich eine Liste mit den Dingen, für die ich im dankbar bin.» Die Angst sei immer noch da, aber das Gebet auch. «Und dieses gibt mir die Kraft, Nein zum Trinken und Ja zum Leben zu sagen.»

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Datum: 09.02.2018
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Jesus.ch / Guide Posts

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